Rote Faden

Ich lernte meinen Erstberuf Physiotherapie.

 

Mein Ziel war es andere Menschen zu unterstützen und zu helfen gesünder zu werden. Ich war sehr zielstrebig und verbissen, die Beste zu sein. Durch meinen Perfektionismus, erlaubte ich mir selber keinen „Fehler“ zu machen und wenn dies doch passierte, kamen meine inneren „Wölfe“, die mir sagten „ist ja klar, so wirst du es nie schaffen, du musst dich mehr anstrengen, du musst dir mehr Wissen aneignen, so bist du nicht gut genug…“

 

Nach meinem Studium wanderte ich als 24-jährige in die Schweiz aus und fühlte mich stark und frei. Dieser Beruf erfüllte mich mit sehr viel Freude und ich lernte mehr und mehr Entscheidungen zu treffen, jedoch hauptsächlich im Belangen anderer. Ich war fachlich stark in meinem Beruf und identifizierte mich über diesen. Ich konnte einfühlsam auf meine Mitmenschen eingehen, war fröhlich und hatte Spass. Ich bekam Anerkennung von meinen Klienten, von meinen Arbeitskolleginnen, von meiner Chefin. Zu Hause hatte ich eine herzvolle, wertschätzende Beziehung mit meinem liebevollen Mann und meiner kleinen fröhlichen Tochter. Ich arbeitete 100% auswärts und zu Hause half ich wo möglich mit.  Durch diese Konstellation, bewunderten viele Menschen mich, wie ich dies alles schaffe. Meine Anerkennung war gesichert und meinen Selbstwert stieg.

 

Durch die Krebserkrankung meines Mannes und seine von Monat zu Monat verschlechterte Mobilität, lernte ich jeden Tag zu nehmen wie er kommt und auf unerwartete Momente zu antizipieren. Im Haushalt blieb mehr an mir hängen, was ich voller Liebe übernahm, jedoch Zeit für mich gab es und nahm ich nicht mehr. Zusätzlich zu meiner privaten Not, meinte meine damalige Chefin, ich sollte mich nach einer anderen Stelle umsehen, da ich mit einem kleinen Kind und einem kranken Mann zu Hause, als Arbeitskraft zu unsicher für sie wurde. Ich war schockiert und gestresst, mich auch noch mit der Suche einer neuen Arbeitsstelle auseinander setzen zu müssen. Meine Zugehörigkeit kam enorm ins Schwanken. Im Frühling 1999 wechselte ich meine Stelle in ein Spital und in ein grösseres interdisziplinäres Team. Hier fühlte ich mich wieder aufgehoben, geborgen und in meiner Leistung anerkannt. Dementsprechend war meine Zugehörigkeit und Wertschätzung in der Arbeitswelt wieder gesichert.

 

In Herbst 1999 verstarb meinen Mann und ich war alleine mit meiner 1,5 jährigen Tochter.

Ich fiel in ein emotionales Loch. In dem Moment wusste ich nicht mehr wer ich war, was ich will und wie es überhaupt weitergehen soll. Mein emotionaler Tank war komplett leer. Mein Mann, die Liebe meines Lebens, mein Halt war weg. Meine Mutter und meine Freunde haben mich in dieser schweren Zeit enorm unterstützt und aufgefangen, wofür ich sehr dankbar bin, jedoch diese Hilfe  anzunehmen war sehr schwierig. Ich, war doch diejenige die unterstützt. Ich, war diejenige die Hilfe anbietet, nicht umgekehrt.

„Hilfe ich stehe im Mittelpunkt, es raubt mir den Atem und möchte nur noch weg.“

 

Fortsetzung folgt!

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